Strategische Neuausrichtung von thyssenkrupp kommt voran

Der Werkstoff- und Industriegüterkonzern thyssenkrupp kommt mit seiner grundlegenden strategischen Neuausrichtung nach eigenen Angaben planmäßig voran. Mit der Vorlage der 9-Monats-Zahlen zum laufenden Geschäftsjahr kommuniziert der Konzern erste Entscheidungen und gibt einen Fahrplan für die weitere Ausgestaltung der im Mai 2019 beschlossenen Neuausrichtung bekannt
 
„Angesichts des zunehmenden konjunkturellen Gegenwinds haben wir rechtzeitig umgesteuert und treiben den Umbau von thyssenkrupp mit Nachdruck voran“, sagt Guido Kerkhoff, Vorstandsvorsitzender der thyssenkrupp AG. „In einer ersten Phase geht es dabei vor allem um die strukturelle Stabilisierung der Geschäfte. Dazu gehört auch ein effizientes Führungs- und Organisationsmodell. Damit schaffen wir die Grundlagen, um in einer zweiten Phase unsere Geschäfte für langfristig profitables Wachstum aufzustellen.“

Mittelfristziele bestätigt
Die Steigerung der Leistungsfähigkeit habe dabei in allen Geschäftsbereichen Priorität. Die ausgegebenen Mittelfristziele gelten weiter. Um dies zu erreichen, hat thyssenkrupp in allen Geschäftsbereichen umfangreiche Performance-Programme eingeleitet. Dazu gehöre auch eine fortlaufende Prüfung, inwieweit die bereits angestoßenen Maßnahmen ausreichende Fortschritte erbracht haben, oder ob Programme ergänzt werden müssen, so der Konzern.
Darüber hinaus hat thyssenkrupp Geschäfte identifiziert, die trotz intensiver Anstrengungen derzeit nicht wettbewerbsfähig sind, beziehungsweise bei denen die aktuelle Marktsituation eine wettbewerbsfähige Aufstellung aus heutiger Sicht in Frage stellt. Diese Geschäfte stellt thyssenkrupp auf den Prüfstand. Das betrifft im Einzelnen:
• Federn und Stabilisatoren: Fahrwerkskomponenten für die Automobilindustrie in der Business Area Components Technology
• System Engineering: Bau von Produktionsanlagen für die Automobilindustrie in der Business Area Industrial Solutions
• Grobblech: Massive Stahlbleche unter anderem für die Bauindustrie, den Schiffbau oder Pipelines in der
Business Area Steel Europe

Diese drei Bereiche stehen für vier Prozent des Konzernumsatzes, aber für ein Viertel des im laufenden Geschäftsjahr erwarteten negativen Cashflows. Ein Team von Sanierungsexperten soll nun Restrukturierungskonzepte für diese Prüfstand-Geschäfte erarbeiten. Sollte eine Restrukturierung nicht gelingen oder nicht möglich sein, will der Konzern andere strategische Optionen prüfen.
Guido Kerkhoff: „Wir werden das Potenzial der drei Geschäfte prüfen. Für eine Weiterentwicklung sehen wir durchaus Chancen, aber nicht notwendigerweise unter dem Dach von thyssenkrupp. Dass Geschäfte ohne klare Perspektive dauerhaft Geld verbrennen und damit Wert vernichten, den andere Bereiche erwirtschaftet haben, wird es jedenfalls in Zukunft nicht mehr geben.“

Vor besonderen Herausforderungen steht der Stahl. Nach der Untersagung des Joint Ventures durch die Europäische Kommission arbeitet der neue Bereichsvorstand mit Hochdruck an einem nachhaltigen, strategischen Zukunftskonzept. Hier gilt es einerseits, die strukturellen Probleme in der europäischen Stahlindustrie zu adressieren und zugleich die Auswirkungen der aktuellen Marktverwerfungen einzudämmen, die von einer schwächeren Kundennachfrage und extrem hohen Erzpreisen gekennzeichnet sind.
Die Steigerung der Leistungsfähigkeit von thyssenkrupp erfordere auch den bereits im Mai angekündigten Abbau von 6.000 Stellen, wovon bis zu 2.000 Stellen auf den Stahlbereich entfallen. Über die Details zum Stellenabbau wird thyssenkrupp im Zuge der organisatorischen Neuaufstellung (siehe „effiziente Organisation“) entscheiden.

Börsengang des Aufzuggeschäfts
Für den Erfolg von newtk ist eine Aufstellung entscheidend, in der sich die Geschäfte bestmöglich entwickeln können. Entsprechend prüft thyssenkrupp aktuell, wie bereits im Mai angekündigt, was die richtige Portfoliostrategie für die Geschäfte oder Teile davon ist.
Für die Automotive-Geschäfte sei dabei Größe entscheidend, wenn es um die Transformation in Richtung E-Mobilität und autonomes Fahren geht. Im Anlagenbau stelle sich angesichts des zunehmenden Wettbewerbsdrucks vor allem aus Asien die Frage, ob sich die Geschäfte durch Partnerschaften oder Zusammenschlüsse besser entwickeln können. In den Materialgeschäften sieht der Konzern nach eigenen Angaben weiter Konsolidierungsoptionen.
Die wichtigste Portfoliomaßnahme ist der geplante Teil-Börsengang von Elevator Technology. Damit kann thyssenkrupp seine Kapitalbasis nachhaltig stärken und den Wert seines Aufzuggeschäfts sichtbar machen. Über die verbleibende Mehrheitsbeteiligung wird der Konzern zudem weiter von künftigen Wertsteigerungen profitieren. Mit den erwarteten Erlösen vergrößert der Konzern seinen finanziellen Spielraum, um notwendige Restrukturierungen und die zukunftsfähige Weiterentwicklung seiner Geschäfte anzugehen.Der „Carve-out“ soll bis zum Ende des Kalenderjahres 2019 abgeschlossen sein. Je nach Kapitalmarktumfeld strebt der Konzern den Börsengang im Laufe des Geschäftsjahres 2019/2020 an. „Wir bereiten den Börsengang für Elevator vor, prüfen aber auch die vorliegenden Interessensbekundungen potenzieller Interessenten. Das gilt auch für die anderen Geschäfte“, so Guido Kerkhoff:

Effiziente Organisation
Um erfolgreicher am Markt agieren zu können, sollen die Geschäfte im Zuge der strategischen Neuausrichtung mehr unternehmerische Freiheit, aber auch mehr Eigenverantwortung erhalten. Die organisatorische Aufstellung des Konzerns soll schlanker, schneller, einfacher und flexibler werden. Gemeinsame Teams aus der Zentrale, den Geschäftsbereichen und den operativen Einheiten erarbeiten derzeit die zukünftige Organisationsstruktur. Ziel ist es, ab Anfang 2020 in der neuen Struktur zu arbeiten. Bei der Umsetzung wird die Mitbestimmung eng eingebunden.


Kennzahlen 9 Monate 2018/2019
In den ersten 9 Monaten des Geschäftsjahres 2018/2019 ist thyssenkrupp nach eigen Angaben auch in einem schwierigen konjunkturellen Umfeld weiter gewachsen. Der Auftragseingang stieg um 2 Prozent auf 30,7 Milliarden Euro. Der Umsatz verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr um 1 Prozent auf 31,2 Milliarden Euro. Das Wachstum gebremst haben die zunehmend schwächere weltwirtschaftliche Dynamik, eine deutliche Eintrübung im Automobilsektor und der weiterhin hohe Importdruck beim Stahl, so die Analyse. Hinzu kam die massive Erhöhung bei den Rohstoffpreisen, insbesondere bei Eisenerz. Diese Faktoren spiegeln sich im operativen Ergebnis insbesondere in den Geschäften mit Auto-Komponenten und bei den Werkstoffgeschäften wider. Das Bereinigte EBIT lag nach 9 Monaten mit 683 Millionen Euro signifikant unter dem Vorjahr (1,3 Milliarden Euro).
„Mit der Geschäftsentwicklung in den ersten 9 Monaten können wir insgesamt nicht zufrieden sein“, sagt Kerkhoff. „In den Industriegütergeschäften verzeichnen wir trotz Gegenwind einen anhaltend guten Auftragseingang und eine positive Umsatzentwicklung. Das zeigt, dass unsere Maßnahmenpläne greifen. Die Auswirkungen der aktuell schwachen Autokonjunktur und die Entwicklung der Erzpreise haben wir damit aber nicht kompensieren können. Das macht deutlich: Mit unserer klar auf Performance-Steigerung ausgerichteten Unternehmensstrategie haben wir rechtzeitig die richtigen Schwerpunkte gelegt", so Kerkhoff weiter. 
 

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