LNG weiter auf Erfolgskurs

Gute Kunde für die Edelstahlindustrie: Der Markt für verflüssigtes Erdgas (Liquefied Natural Gas/LNG) entwickelt sich nach einer Studie des Energiekonzerns Shell vor allem in Asien sehr dynamisch. Sollte die Nachfrage weiterhin steigen wie bisher, könne es Mitte der 2020er Jahre zu Engpässen bei der Versorgung kommen, heißt es in einem aktuellen Shell-Ausblick für den LNG-Markt, den der Konzern im Februar veröffentlichte.
 
„Die Anstrengungen Chinas, die Luftqualität in Ballungsräumen zu verbessern, haben die LNG-Importe 2018 um 16 Millionen Tonnen steigen lassen“, heißt es in dem Report. Das entspreche einem Plus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Der Nachfrageschub aus Asien hat unsere Erwartungen erneut übertroffen. Wir erwarten, dass sich dieser Trend fortsetzt“, sagte Shell-Direktor Maarten Wetselaar.

China hat damit für einen Großteil des globalen Nachfrage-Anstiegs um 27 auf 319 Millionen Tonnen gesorgt. „Chinas anhaltend steigende LNG-Importe haben dazu beigetragen, die Luftqualität in einigen der größten Metropolen zu verbessern“, erkläre Wetselaar. Bis 2020 rechnet Shell mit einem weiteren Nachfrageschub auf 384 Millionen Tonnen LNG. Allein im laufenden Jahr werde das globale Angebot um 35 Millionen Tonnen zunehmen, die vollständig von Asien und Europa verbraucht werden. Auf der Angebotsseite hat Australien zum führenden LNG-Exporteur Katar aufgeschlossen. Die beiden Hauptexporteure seien gut aufgestellt, um die schnell wachsenden Märkte Asiens zu versorgen.

Internationale Nachfrage
Von der international steigenden Nachfrage profitieren auch deutsche Unternehmen. So hat Siemens einen Auftrag zur schlüsselfertigen Errichtung eines neuen Gas- und Dampfturbinen(GuD)-Kraftwerks für das integrierte LNG (Flüssiggas)-to-Power-Projekt im Hafen von Açu im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro erhalten. Siemens übernimmt eine Kapitalbeteiligung und hält ein Drittel an der Projektgesellschaft Gás Natural Açu (GNA). Weitere Anteilseigner der GNA sind das brasilianische Logistikunternehmen Prumo und BP. Das Kraftwerk mit einer Leistung von 1,3 Gigawatt (GW) soll bezahlbare und saubere elektrische Energie für Brasilien liefern. Das gesamte Projektvolumen für GNA 1 umfasst rund eine Milliarde Euro (4,5 Milliarden R$).
Mit dem Bau des Projektes wurde bereits begonnen; der Betriebsbeginn der Anlage ist für Anfang 2021 geplant. Die Leistung von GNA 1 reicht aus, um Strom für eine Stadt mit bis zu vier Millionen Einwohner zu liefern.

„Unser Engagement bei GNA unterstreicht unser Bekenntnis zu neuen Geschäftsstrategien, mit denen wir die sich weiter entwickelnden Anforderungen eines herausfordernden Energiemarktes adressieren", sagte Lisa Davis, CEO Siemens Gas and Power und Mitglied des Vorstands der Siemens AG. "Bei GNA 1 integrieren wir unser Angebot entlang der Energiewertschöpfungskette. Damit bestätigt das Projekt, dass unser umfassender Gas-to-Power-Ansatz den Bedürfnissen unserer Kunden, Partner und von Gesellschaften Rechnung trägt ", ergänzte Davis.

GNA1 ist das erste vollintegrierte LNG-to-Power-Projekt dieses Leistungsumfangs für Siemens. Es umfasst nicht nur den schlüsselfertigen Bau des 1,3 Gigawatt-Kraftwerks, sondern auch einen Terminal zum Import und zur Regasifizierung von Flüssiggas sowie ein Umspannwerk und eine Stromübertragungsleitung, die das Kraftwerk mit dem Netz verbindet.

Das Projekt ist der erste Schritt des Komplexes Port of Açu, der eine Logistiklösung bereitstellen soll für den Empfang, die Verarbeitung, den Verbrauch und den Transport von Erdgas aus den Becken Campos und Santos sowie für den Import und die Lagerung von Flüssiggas. Im Dezember 2017 hatte die GNA-Tochtergesellschaft GNA 2 eine Stromauktion in Brasilien gewonnen und im Sommer 2018 wurde der Bau eines zweiten thermischen Kraftwerks im Hafen von Açu vom brasilianischen Energieministerium genehmigt. Mit einer Gesamtleistung von 3 GW wird Açu der größte thermische Kraftwerkskomplex Lateinamerikas sein. Eine zweite Phase wird weitere thermische Kraftwerke umfassen, nachdem GNA bereits die Genehmigung für eine Stromerzeugungsleistung von bis zu 6,4 GW erhalten hat.
 

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