Bier, Flaschen, anstoßen

Gründerwelle in der Brauwirtschaft

Die Zahl der Brauereien in Deutschland hat die Marke von 1.500 überschritten und wird in diesem Jahr noch weiter steigen. Das berichtet der Deutsche Brauer-Bund (DBB), der Dachverband der Brauwirtschaft. Edelstahl gilt als wichtiges Anlagenmaterial, um die Hygiene zu gewährleisten – die Hersteller und Anbieter entsprechender Komponenten dürften von der Gründerwelle profitieren.
 
„Mit der Zahl der Brauereien wächst die Vielfalt auf dem deutschen Biermarkt weiter. Bereits heute gibt es mehr als 6.000 Biermarken in Deutschland – eine weltweit einmalige Auswahl“, erklärt DBB-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele. Die beliebteste Biersorte der Deutschen ist mit einem Marktanteil von über 50 Prozent das Pils, gefolgt von den Sorten Weizen, Helles und Export. Die höchsten Zuwächse verzeichneten zuletzt regionale und traditionelle Bierspezialitäten wie Keller-, Land und Zwickelbiere sowie das Helle. Weiter steigend ist auch der Anteil alkoholfreier Biere und alkoholfreier Biermischgetränke.

Viele neue Craftbrauereien

Angetrieben wird die anhaltende Gründerwelle in der Brauwirtschaft vor allem von Craftbrauereien und Gasthausbrauereien, berichtet der DBB. Craftbiere sind zumeist sehr aromaintensive Biere, die von Regionalität und Experimentierfreude geprägt sind und meist nur in kleineren Mengen hergestellt werden.
Auf dem Deutschen Brauertag in Berlin wurde „Lillebräu“ aus Kiel symbolisch als 1500. Brauerei ausgezeichnet. Seit Juni 2018 arbeiten zwei Jungbrauer mit einem 30-Hektoliter-Sudwerk in einer geräumigen Lagerhalle und versorgen in Kiel mehr als 40 Restaurants und Bars mit ihren Bieren. Finanziert wurden die Anlagen durch Gründerkredite, Eigenmittel und ein Crowdfunding.
„Das Beispiel Lillebräu zeigt, was man mit Mut, Kreativität und Leidenschaft erreichen kann. Wir freuen uns, dass sich immer mehr junge Brauerinnen und Brauer selbstständig machen und unsere Biervielfalt bereichern“, so Dr. Jörg Lehmann, Präsident des Deutschen Brauer-Bundes.
Hersteller von Brauerei-Anlagen benötigen anspruchsvolle Ventile – auch aus Edelstahl.
Hersteller von Brauerei-Anlagen benötigen anspruchsvolle Ventile – auch aus Edelstahl.
Rohrleitungen und Klappen aus Edelstahl

Doch kein Brauprozess ohne Edelstahlkomponenten. Die Einspeisung der Würze in den Gärtank, das Abziehen der Hefe nach dem Gärprozess und die Umlagerung des Jungbieres in die Reifetanks erfolgt über komplexe Rohrleitungssysteme aus Edelstahl. Um die Betriebsparameter zu gewährleisten, werden verschiedene Prozessgrößen geregelt. „Insbesondere der Druck im Gärtank, der durch die Bildung von Kohlendioxid entsteht, muss innerhalb genau definierter Grenzen gehalten werden. Die Sättigung des Jungbieres mit CO2 und somit die spätere Bierqualität ist entscheidend abhängig vom Druck“, berichtet der Armaturenhersteller Gemü.
Auf der anderen Seite bremse zu hoher Druck den Gärvorgang. Überschüssiges CO2 müsse daher geregelt abgeführt werden. Es könne auch in eine CO2-Gewinnungsanlage geleitet werden und stünde dann für andere Prozesse zur Verfügung.
„Die Einspeisung der Würze in den Gärtank, die Umlagerung bzw. die spätere Entleerung des Jungbieres aus dem Lagertank kann mit handelsüblichen Klappen aus Edelstahl realisiert werden“, betont Gemü.


Die Bierbranche benötigt hochwertige und hygienische Maschinen sowie Anlagen.
Die Bierbranche benötigt hochwertige und hygienische Maschinen sowie Anlagen.
Steigende Anforderungen

Hersteller von Brauerei-Anlagen benötigen zahlreiche und anspruchsvolle Ventile. „Wir verwenden hochlegierte Stähle und Prozessoptimierungen, um die Anforderungen zu erfüllen“, sagt Dietmar Pallasch, Leiter deutscher Außendienst beim Armaturenhersteller Mankenberg. Dazu gehören auch neue Werkstoffe wie PEEK (Polyetheretherketon), höherwertiger Edelstahl und die Polierungen der Armaturen. Eingesetzt werden die Ventile von Mankenberg meist in den Sekundärkreisläufen, zur Druckminderung von Wasser, Dampf und diversen Gasen. Ferner werden Schwimmerventile verwendet. Bei Wasseraufbereitungsanlagen kommen Ent- und Belüftungsventile zum Einsatz.
Erkennbar sei, so Dietmar Pallasch, die „Zunahme des Wunsches nach polierten Ventilen, weil die verbauten Rohre es auch schon sind.“ Wer auf dem Markt bestehen möchte, muss die Anforderungen nach Zertifizierungen nach neuen europäischen und auch internationalen Standards wie zum Beispiel EHEDG, ASME BPE, 3 A und FDA beachten. Die Anforderungen „werden stetig wachsen. Wir leben in einer zunehmend internationaler werdenden Industrie-Welt.“

Hochlegierter Edelstahl

Außerdem erwartet die Getränkeindustrie hochwertige Grundmaterialien wie etwa hochlegiertes Edelstahl, und zwar „bei minimalsten Preisen, weil die Stückzahlen pro Komponente schon nennenswert sind“, so Dietmar Pallasch. Ebenfalls auf dem unbedingt zu beachtenden Wunschzettel der Kunden: schnelle Lieferungen, Qualität und vor allem Lieferzuverlässigkeit neben der Einhaltung der neuen Standards.
 

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