Unternehmen investieren in China

Wasser auf die Mühlen innovativer Unternehmen

Verschmutzte Flüsse, stark belastetes Grundwasser, Wasserknappheit und in den Metropolen schlechte Luftqualität schaden nicht nur den Menschen, sondern auch der Wirtschaft Chinas. Ein „Weiter so“ wird es nicht mehr geben. Verschärfte Umweltgesetze der chinesischen Staatsführung sollen den Hebel umlegen und zu einem gesunderen Reich der Mitte beitragen.
 

Ohne geeignete Umwelttechnologien – gerade auch aus der Tube-Branche – wird das allerdings nicht gelingen. Unternehmen aus der ganzen Welt winken lukrative Aufträge.

„Die Welt urbanisiert“, berichtet Germany Trade & Invest (GTAI): Jeder zweite Erdenbürger wohne schon heute in einer Stadt. Bis 2030 sollen laut UN 41 Megacities weltweit jeweils über 10 Millionen Einwohner beherbergen und die Urbanisierungsrate damit auf 60 Prozent steigern. „Dies stellt große Herausforderungen an die betroffenen Stadtverwaltungen“, so GTAI weiter. Zumal es auch Prognosen gibt, die speziell für China einen Anstieg auf etwa 220 Millionenstädte bis 2025 für möglich halten.

Folgen einer Entwicklung, die gerade auch China bereits seit längerem zu spüren bekommt. Die rasant zunehmende Industrialisierung und Urbanisierung stellt Metropolen wie zum Beispiel Shanghai und Peking vor Riesenprobleme. Die Entwicklung habe den strukturierten Aufbau eines funktionierenden Wassersystems erschwert, sodass weite Teile der Bevölkerung nicht mit sauberem Trinkwasser versorgt werden könnten, erklärt das deutsche Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Schon heute hätten rund 100 Millionen Menschen in China keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Gleichzeitig steigt der Wasserbedarf von 2005 bis 2030 um über 500 Milliarden Kubikmeter. Wasserknappheit herrscht insbesondere im „trockenen“ Norden Chinas.

Damit nicht genug: Verschmutztes Abwasser der Industrie gelangt ungefiltert ins Grundwasser und in Flüsse, berichtet das Bundesministerium. 57 Prozent des Grundwassers soll eine schlechte oder sehr schlechte Qualität haben. Zudem bestehe ein großer Mangel an industriellen und öffentlichen Abwasserreinigungssystemen. Aber nicht nur die Megacities leiden unter den Mängeln. Der ländliche Raum erlebt nicht den wirtschaftlichen Aufschwung, der möglich wäre. Fehlende Wasserressourcen bremsen ihn aus.

Für China gilt: Gefahr erkannt, aber noch längst nicht ganz gebannt. Die chinesische Regierung tätige seit einigen Jahren „umfangreiche Investitionen in den Ausbau der dafür notwendigen Infrastruktur“, so das Bundesministerium. Dennoch glauben Experten, dass die bisherigen Investitionen in die Wasser- und Abwasserinfrastruktur nicht mit der Geschwindigkeit der Urbanisierung Chinas Schritt halten.

Mittlerweile beabsichtigt das Reich der Mitte, die Wasserproblematik durch zwei Strategien in den Griff zu bekommen: Transport und Wasserreinigung. Ein Projekt, um dem trockenen Norden Chinas die benötigte Wassermenge zukommen zu lassen, ist das Süd-Nord-Wassertransferprojekt, mit dessen Bau bereits Mitte der 1990er Jahre begonnen wurde. Es sieht den Transport von jährlich 3,6 Milliarden Kubikmeter Wasser über eine Strecke von rund 1.200 Kilometern vor. Zahlreiche Rohre wurden bereits verbaut, zwei von drei Routen wurden bereits fertiggestellt. Bis 2050 soll eine Menge von 44,8 Milliarden Kubikmeter Wasser pro Jahr transferiert werden können. Geschätzte Projektkosten: ca. 500 Milliarden US-Dollar.

Ein Mega-Projekt, das aber nicht die grundsätzlichen Abwasserprobleme lösen kann. Doch auch hier gibt es Fortschritte. „Chinas Wasserwirtschaft ist deutlich professioneller geworden“, bilanziert GTAI. Durch die Professionalisierung und Privatisierung des Wassersektors ist auch der Bedarf an moderner Technologie und energieeffizienten Lösungen gestiegen.

Erfolge gibt es bereits: Erstmals seit fünf Jahren sei es 2016 laut chinesischem Umweltministerium gelungen, den Anteil hoch verschmutzten Grundwassers auf 14,7 Prozent zu senken. Doch noch immer stünden gewaltige Investitionen im Abwasserbereich sowie in der Klärschlammbehandlung an. Der Aktionsplan für sauberes Wasser legt ein Wiederverwendungsziel von 20 Prozent oder mehr in wasserarmen Gebieten bis 2020 fest, heißt es in der Country Case Studie im „2016 Top Markets Report Environmental Technologies“ der International Trade Administration (ITA). Entsprechend – man darf sagen – riesig ist das Potenzial für exportorientierte Unternehmen im Wasserinfrastrukturbereich. Zumal durch Chinas knappe Süßwasserressourcen der Wassereffizienz und Wiederverwendung eine besondere Bedeutung zukommen.

Eine Chance, die beispielsweise die Fischer Group aus Achern-Fautenbach erkannt hat. Das Unternehmen stellt innovative Rohrlösungen vom 26. bis 29. September 2018 auf der Tube China, der führenden Rohrfachmesse Asiens, in Shanghai vor.

Die Fischer Group fertigt lasergeschweißte Edelstahlrohre für Trinkwasser-Installationen nach den deutschen Vorschriften des DVGW. Mit dem Werkstoff Edelstahl möchte die Fischer Group einen Beitrag dazu leisten, dass gesundes Trinkwasser in den Installationssystemen beim Menschen auch gesund ankommt. „Das wird auch in China so sein“, erklärt Hans-Peter Fischer, Geschäftsführender Gesellschafter der Fischer Group.

Zu den benötigten Schlüsseltechnologien in den nächsten Jahren gehören laut der ITA Country Case Study Abfallbehandlungsanlagen, Membranfiltration, Abfall-zu-Energie-Technologie, Nitrifikation, biologische Denitrifikation, Monitoring-Ausrüstung und Testausrüstung.

Vorgesehen ist laut der ITA Country Case Study eine Sanierung oder ein Austausch aller Übertragungsleitungen in über 50 Jahren, mit dem Ziel, Non-Venue-Wasser auf 10 Prozent bis 2020 zu reduzieren. Hierzu beitragen soll eine Mischkanalisation und die Einführung von Regenwassersystemen, die Lagerung und Wiederverwendung einschließen, sowie Regenwasserentwässerungssystemen, die die Grundwasserneubildung fördern. Gefragte Schlüsseltechnologien sind Rohre, Pumpen und Ventile, Speichertechnologien, SCADA-Systeme, Überwachungssysteme, Lecksuchgeräte, grabenlose Technologien, Stausee-Design und -Konstruktion sowie Rohrsanierungstechnologien.

Unternehmen aus der ganzen Welt haben den chinesischen Wasser-, Abwasser-, Kraftwerks-, Chemie-, Pipeline- und Energiemarkt schon längst für sich entdeckt. Beispielsweise Butting. Der Rohrhersteller besitzt bereits seit 2005 eine Fertigung im Reich der Mitte. 2011 kam eine weitere Produktionsstätte in Tieling, also im trockenen Norden Chinas, hinzu. „Durch die Investitionen optimieren und erweitern wir unsere Fertigungsmöglichkeiten für den Behälterbau, für die Fertigung von Rohrleitungssystemen und einbaufertigen Komponenten“, erklärt Butting.

Mit der China Water Resources & Electric Power Materials & Equipment Group hatte (Salzgitter) Mannesmann Stainless Tubes sich Ende 2016 in China einen neuen Vertriebskanal bei Powergen-Rohren erschlossen. Damit verfüge man, erklärte das Unternehmen seinerzeit, neben dem Rohrgeschäft mit bestehenden Kunden im Kraftwerksneubau nun auch über einen gut etablierten Partner für das Wartungs- und Reparaturgeschäft. Ein wichtiges Segment im Produktspektrum von Mannesmann, Hersteller von nahtlosen Edelstahl- und nickellegierten Rohren, sind Kesselrohre, „an die höchste Anforderungen gestellt werden“. Zu finden sind sie unter anderem in Biomasse- und Abfallverbrennungskraftwerken.

Derzeit investiert die Fischer Group in eine neue Fertigungsanlage zur Herstellung von Edelstahlrohren für die Nutzfahrzeugindustrie im chinesischen Taicang. Für automobile Elektromotoren von BEV würden Gehäusemäntel aus Edelstahl entwickelt, „die mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit auch in China Serienstatus erhalten“, sagt Hans-Peter Fischer, Geschäftsführender Gesellschafter der Fischer Group. Sie wird in Taicang in Betrieb genommen.

Hintergrund: In der Nutzfahrzeugbranche steht für alle Lkw und Busse die Umstellung auf die Abgasnorm „China 6“ an. „Damit diese in der Abgasanlagen-Technologie funktioniert, werden austenitische Edelstahlrohre benötigt“, erläutert Hans-Peter Fischer.

Die Brennstoffzellen-Technik von Serenergy, eine hundertprozentige Tochter der Fischer Group, „eignet sich als Range-Extender für Battery Electric Vehicle (BEV), beispielsweise in Nahverkehrsbussen, Pkw, aber auch als Ersatz für Diesel-Stromaggregate. Last but not least auch für die Energieversorgung von Passagierschiffen während der Liegezeit in Häfen.“ Geplant ist die Erweiterung des Fischer-Werkes in Taicang, mit dem Produktionsfläche auch für die Brennstoffzellen-Technologie geschaffen wird. Ein Anliegen, das derzeit in der Verwaltung von Taicang geprüft wird.

Keine Frage, China ist für Unternehmen ein sehr attraktiver Markt. Ein Markt, bei dem sich auch aus Sicht der Fischer Group vieles tut. „Die chinesische Regierung setzt sich sehr für die Entwicklung von neuen Umwelttechnologien ein und wird in ihren Entscheidungen diese schneller und effizienter als anderswo in der Welt umsetzen“, betont Fischer. „Darin sehen wir für uns, neben dem Kerngeschäft der Herstellung von lasergeschweißten Edelstahlrohren, auch für die Brennstoffzellen-Technologie, Lkw-Abgasentgiftung und Pkw (BEV oder Hybrid) gute Wachstumschancen für unser Unternehmen. Es ist schließlich auch unser Beitrag, an der chinesischen Umweltpolitik technisch mitwirken zu können.“

Und der Beitrag hat schon begonnen: Die Fischer Group hat mit chinesischen Unternehmungen im Bereich der Abgasentgiftung bereits Projekte entwickelt, pflegt in der Brennstoffzellen-Technologie Kontakte zu chinesischen OEM, hat bereits Brennstoffzellen als Rangeh-Extender für die Serienerprobung geliefert und Busse damit für die Erprobung ausgestattet. Die Fischer Group möchte in China als „Unternehmensgruppe für Umwelttechnologien wahrgenommen werden“, so Hans-Peter Fischer.

Um aber das weitere Gelingen der Wasser- und Energieproblematik zu schultern, muss auch zukünftig kräftig investiert werden. So sind knapp 85 Milliarden US-Dollar nach Einschätzung des chinesischen Bauministeriums notwendig, um die im 13. Fünfjahresprogramm – 2016 bis 2020 – formulierten Zielsetzungen der Abwasserbehandlung zu erreichen, berichtet GTAI. So sollen unter anderem in den Städten 95 Prozent und in den Kreisstädten mindestens 85 Prozent des anfallenden Abwassers behandelt werden. Die Kapazitäten zur Klärschlammbehandlung sollen bis 2020 auf 97.500 Tonnen pro Tag mehr als verzweieinhalbfacht werden.

Mit dem geänderten Umweltschutzgesetz EPL und dem aktualisierten Luftverschmutzungsgesetz Air Pollution Law aus den vergangenen Jahren – um nur wenige Beispiel zu nennen – macht China Ernst mit seinen Bemühungen, für klare (Wasser-) Verhältnisse zu sorgen. Sogar Umweltschützer sehen in einem 2015 erlassenen Zehn-Punkte-Programm mit 238 Einzelmaßnahmen ein umfassendes politisches Dokument. Es wird auch als Wende bezeichnet. Denn das Umweltgesetz erhöht nicht nur mögliche Straf- und Kompensationszahlungen drastisch, sondern sieht auch erstmals die strafrechtliche Verfolgung der unmittelbar Verantwortlichen vor. Das zum 1. Januar 2018 in Kraft getretene Water Pollution Prevention and Control Law zielt auf eine weitere Verbesserung der Trinkwasserqualität.

Denn an der strikten Umsetzung der Vorgaben hatte es in den Jahren zuvor gemangelt. Ein Grund der früheren schleppenden Umsetzung: Die Durchsetzung von Umweltvorschriften erfolgt auf der Stadt- und Provinzebene durch lokale Umweltschutzbüros (EPBs). Das EPB antwortet dem Bürgermeister oder dem Provinzial Gouverneur, deren Beförderungspotential als Parteioffizieller vom Wirtschaftswachstum abhängt. Diese Dynamik führt dazu, dass Umweltziele fast immer wirtschaftlichen Entwicklungszielen untergeordnet sind, heißt es in der ITA Country Case Study. Das revidierte Umweltschutzgesetz (EPL) kann als Abhilfe gegenüber solchen systemischen Schwächen bei der Umsetzung dienen. Indem Anreize für den Umweltschutz in bürokratische Leistungsmaßnahmen geschaffen werden – und durch die Bestrafung der Betroffenen mit Degradierung, Entlassung und möglicher Strafverfolgung für die Personen, die das Gesetz nicht durchsetzen. Damit ist ein Pflock für die stärkere Einhaltung der Umweltvorschriften gesetzt.

Die Federführung von EPC-Projekten (Engineering-Procurement-Construction) liegt laut GTAI bei lokalen Bauunternehmen oder Bauentwicklungsgesellschaften. Ausländische Firmen beschränken sich häufig auf Controlling und Beratung. Dagegen kommen deutsche Unternehmen immer wieder als Zulieferer zum Zuge.

Der Bedarf an Umwelttechnologien ist, wie gesagt, über die Maßen groß. Eine Entwicklung wie Wasser auf die Mühlen innovativer Unternehmen…

Innovative Rohrsysteme, Maschinen und Anlagen zur Rohrherstellung- und -bearbeitung, Profile, Umformtechnik, Rohrzubehör und der Handel mit Rohren präsentieren sich vom 26. bis 29. September 2018 auf der wichtigsten Fachmesse in Asien für Rohre, der Tube China, im New International Expo Center (SNIEC) in Shanghai.

 

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