Durch die Förderung individueller Stärken verbessert sich Vieles.

Einzelförderung und Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung (Teil 2)

Die Produkte der Metallverarbeitungsindustrie sind so vielfältig wie ihre Einsatzgebiete und Branchen: Von Filtern für den Automotiv- oder Medizinbereich über Fassaden für Immobilien, Elementen für IT-Racks bis hin zu Behältersystemen für Getränke. Entsprechend vielfältig sind auch die Berufsbilder.
 

Sie unterscheiden sich nicht nur innerhalb der technischen, respektive gewerblichen Ausrichtung. Auch kaufmännische Ausbildungen und duale Studiengänge erweitern die Ausbildungsmöglichkeiten und gehören inzwischen zu einem festen Bestandteil vieler Unternehmen der metallverarbeitenden Industrie. Mit wenigen, jedoch effektiven Methoden können dabei bereits während der Ausbildung zusätzlich die Motivation und Bindung an das Unternehmen gestärkt werden. Durch die Förderung individueller Stärken verbessert sich nicht nur die Leistung der Auszubildenden. Auch die Qualität der Produkte sowie die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen innerhalb der Fachbranchen werden verbessert.

Von Wolfgang Weber und Ralf Braun

Auch die kaufmännischen Auszubildenden durchlaufen mehrere und auch spezielle Unternehmensbereiche. Im ersten Jahr sind das zum Beispiel die Materialwirtschaft, die zentrale Poststelle sowie das Marketing. Im zweiten Ausbildungsjahr folgt eine Zuordnung der Auszubildenden in ihre späteren Kernkompetenzbereiche. Dort werden sie an spezielle Tätigkeiten zum Beispiel in der Fertigung, der Arbeitsvorbereitung, dem Verkauf und dem Versand herangeführt. Das dritte Ausbildungsjahr schließt die Ausbildung mit Inhalten wie Finanzbuchhaltung, Personalwesen und der kaufmännischen Verwaltung ab. Sicherlich ergeben sich dabei zahlreiche, betriebsspezifische Unterschiede in den jeweiligen Ausbildungsunternehmen. Um Auszubildende effektiv an ihren Beruf heranzuführen, sollte für jede Abteilung im Vorfeld ein individueller Lernzielkatalog erarbeitet und ein fester Ansprechpartner benannt werden, welcher zusätzlich zu seiner eigentlichen Aufgabe die jungen Kollegen betreut. Dadurch wissen Auszubildende zum einen genau, was in dieser Phase auf sie zukommt. Zum anderen kann der Betrieb überprüfen, ob alle entscheidenden Ausbildungsinhalte erlernt wurden.

Auch das duale Studium, zumeist in den Fachrichtungen Wirtschaftswissenschaften, Maschinenbau und Elektrotechnik, kann speziellen Gegebenheiten angepasst werden. Seit letztem Jahr bietet beispielsweise die IHK Siegen eigens für technische Studiengänge eine besondere Form an: Dual Genial. Im Unterschied zum klassischen dualen Studium können organisatorische Schwierigkeiten aus der Praxis abgefangen werden.  Leider kommt es nicht selten vor, dass Prüfungen während des Studiums in die Phase fallen, in der die Studierenden im Betrieb sein sollten. Das erschwert ihnen die theoretische Vorbereitung oder führt zu Fehltagen oder sogar zu Studienabbrüchen. Mit Dual Genial wird eine flexible Alternative angeboten. Dabei beginnen Dualstudenten eine verkürzte, zwei Jahre dauernde Ausbildung zum Industriemechaniker, anteilig zwei Tage in der Berufsschule und drei im Betrieb. Die anschließende triale Phase setzt sich aus zwei Tagen Hochschule, einem Tag Berufsschule und zwei Tagen Betriebsarbeit zusammen. Nach etwa zwei Jahren folgt die Abschlussprüfung. Als dann fertig ausgebildeter Industriemechaniker besuchen die Dual-Studenten weiter die Hochschule und kommen in der vorlesungsfreien Zeit zu Praxisphasen in den Betrieb. Nach insgesamt vier Jahren absolvieren erfolgreiche Abgänger so ihr Studium zum Maschinenbauingenieur. Das junge Programm ist vielversprechend, wenn auch noch regional beschränkt. 

Es ist keine Überraschung, dass sich während der Ausbildung die individuellen Stärken und Schwächen der Auszubildenden zeigen. Unternehmen sollten daher einen wichtigen Aspekt der Ausbildung nicht vernachlässigen: die persönliche Einzelförderung. Damit stärken sie nicht nur die Bindung der Auszubildenden an das Unternehmen. Sie investieren in Form qualifizierterer Fachkräfte auch in sich selbst. Diese Einzelförderung sollte im Einzelunterricht gezielt auf theoretische und praktische Defizite eingehen, auch wenn der theoretische Teil erfahrungsgemäß überwiegt. Sie ist besonders vor den Prüfungsphasen zielführend und wird häufig zusätzlich mit einem eigenen Werksunterricht umgesetzt. Gruppenunterricht gestaltet sich durch die Unterschiede in den einzelnen Berufsgruppen als zu schwierig. Mit einer Ausnahme: In der gewerblichen Ausbildung ist es von Vorteil, in den ersten Tagen eine Wiederholung von schulischem Basiswissen wie Mathematik, Chemie oder Physik anzusetzen, um etwaige schulische Defizite von vornherein auszuschließen. Eine weitere Möglichkeit, Auszubildende beispielsweise effektiv auf Prüfungssituationen vorzubereiten, sind kleinere Aufgaben, wie das Schreiben von Reporten und Bearbeiten von Projekten, welche vor einem fiktiven Prüfungsausschuss vorgetragen werden.

Auf Unternehmensseite trägt natürlich auch die Schulung und Weiterbildung der eigenen Ausbildungsbeauftragten zur verbesserten Qualität der Ausbildung bei. Allgemein sollte das Unternehmen die Auszubildenden konstant begleiten. Regelmäßige, verbindliche Mitarbeitergespräche in jedem Ausbildungsabschnitt sind dabei ein essenzieller Bestandteil. Nach einem Leitfaden können sich die Auszubildenden schriftlich auf diese Gespräche vorbereiten. Sie können beispielsweise ansprechen, ob sie sich wohlgefühlt haben, welche Aufgaben ihnen zugeteilt wurden, was sie anders gestaltet hätten und ein Resümee des Ausbildungsabschnittes geben. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass Auszubildende auf diese Weise auch das Gespräch mit Vorgesetzten üben können. Mindestens aber entsteht das Gefühl, offen innerhalb des Unternehmens kommunizieren zu können.

Darüber hinaus stehen Unternehmen zahlreiche andere Möglichkeiten zur Verfügung, um die jungen Kollegen auf ihre kommende Ausbildung vorzubereiten, den Betrieb vorzustellen und Ungewissheiten oder gar Ängsten vorzubeugen – beispielsweise ein Kennenlernseminar oder ein Vorstellungstag für neue Auszubildende, zu dem auch die Eltern eingeladen werden. Eine weitere Möglichkeit ist eine Art Schnitzeljagd, bei der Auszubildenden spielerisch den Unternehmenssitz, wichtige Ansprechpartner und grundlegende Informationen über die Aufgaben in den jeweiligen Abteilungen erfahren. Schließlich helfen Seminare und Rollenspiele, um einen Überblick über das Unternehmen und gegebenenfalls unternehmerische Entscheidungen zu erlangen.

Über die Autoren:
Wolfgang Weber ist kaufmännischer Ausbildungsleiter der SCHÄFER Werke GmbH. Ralf Braun ist gewerblicher Ausbildungsleiter der SCHÄFER Werke GmbH. Beide haben selbst als Auszubildende im Unternehmen angefangen und sind mittlerweile seit 29 beziehungsweise 31 Jahren dort tätig. Die SCHÄFER Werke Gruppe ist international tätig und bedient mit den Produkten seiner Geschäftsbereiche EMW Stahl-Service-Center, Lochbleche, Container Systems, IT-Systems und Industriegehäuse einen großen Teil der metallverarbeitenden Industrie.

 

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